BABÄM

KLARTEXT – ein Motivationsschreiben

Klartext ist nicht nur das Thema meiner ersten Kolumne, sondern auch das Motto meiner regelmäßigen Beiträge hier auf BaBÄM. Was eigentlich klar sein sollte, verlangt meiner Meinung nach dennoch nach einem eigenen Beitrag, da es nicht oft genug umgesetzt wird.

Kennen wir nicht alle die Situation, dass unsere Freundin ein unvorteilhaftes Kleid trägt und wir ihr das nicht sagen? Das Essen, das unser Bruder mit Liebe gekocht hat, ist leider ungenießbar, aber wir sagen nichts, weil er sich so viel Mühe gegeben hat? Unserer Sitznachbarin aus der Uni, die so unglaublich lustig ist, sagen wir lieber nicht, dass sie die Russisch-Prüfung mit so vielen Witzen und so wenig Lernen nicht bestehen wird? Damit es keinen Stress im Team gibt, verzichten wir darauf, unserer Kollegin zu sagen, dass wir das Gefühl haben, 80% der Arbeit zu erledigen?
All die Beispiele sind beabsichtigt noch vergleichsweise harmlos gewählt, natürlich gibt es in Sachen Klartext auch noch bedeutend schlimmere Beispiele. Aber schlimme Nachrichten gibt es schon genug und diese Beispiele beschreiben sicher auch, worum es geht.

Die Gründe fürs Schweigen können vielfältig sein: Dem Frieden und der Harmonie zuliebe; Angst, sich konfrontieren zu müssen, seine Meinung vielleicht noch weiter verteidigen zu müssen oder die Meinung über die eigene Person ins Negative zu wenden; oder auch einen geliebten Menschen zu verletzen oder gar zu verlieren…

Dass man so viel Aufmerksamkeit mit Klartext generieren kann, ist eigentlich unglaublich. Sicher, es erfordert einen gewissen Mut, Klartext zu sprechen. Am Ende haben dann aber beide Seiten etwas davon: Dein Gegenüber kann sich überlegen, was er damit macht. Wovor die meisten Bedenken bis hin zu Angst verspüren, ist die Reaktion, die Klartext auslöst. Menschen, die weniger kritikfähig sind, fühlen sich schnell angegriffen, deshalb ist es notwendig, den Klartext sachlich zu formulieren. Schlimmstenfalls kann es passieren, dass je nach Inhalt dein Gegenüber den Kontakt abbricht – gerade auch wenn sich alles um zwischenmenschliche Beziehungen dreht. Das liegt nicht mehr in deiner Hand und mit deiner Offenheit hast du alles dafür getan, um der Beziehung mit Ehrlichkeit zu mehr Tiefe zu verhelfen. Wenn dein Gegenüber das nicht würdigt, ist es vielleicht besser, einen Schlussstrich zu ziehen. Wichtig ist, dass es dabei nicht darum geht, den anderen mit deutlichen Worten zu verletzen – viel mehr sollte es darum gehen, sachliche Kritik oder die eigene Meinung zu äußern. Bestenfalls wird man dir das mit einer verbesserten zwischenmenschlichen Beziehung danken. Vielleicht verhilfst du deinem Gegenüber dazu, dich mehr zu respektieren (sicherlich gerade auch im Job vom Vorteil) und vielleicht wird er dir auch seine Meinung offen sagen. In jedem Falle aber lernt dein Gegenüber dich und deinen Geschmack, deine Meinung und Einstellung besser kennen.

Und sind nicht gerade die Menschen deine besten Freunde, mit denen du offen reden kannst?

Vielleicht kauft sich unsere Freundin jetzt ein anderes Kleid und geht wieder mit uns essen, weil sie sich nicht mehr zu dick fühlt und keine Diät mehr machen will. Unser Bruder besucht vielleicht einen Kochkurs und unsere Sitznachbarin aus der Uni gründet mit uns eine Lerngruppe. Unsere Kollegin fragt dich nun öfter um Hilfe und allein ihr Engagement, mehr zu leisten, bringt dem Team einen hilfreichen Motivationsschub.

Ich plädiere also für Klartext, weil das Leben danach weitergehen kann. Wenn auch vielleicht in eine andere Richtung. In gewissen Dingen sind wir auf unsere Mitmenschen angewiesen, die uns sagen, was wir nicht können oder was wir falsch machen, denn auch mit der eigenen Person kann man schnell „betriebsblind“ werden. Wenn wir uns eine Verbesserung in diesen Dingen wünschen, lohnt sich ein Gespräch immer auch für uns selbst, und sei es nur, um zu erkennen, das man gänzlich verschiedene Meinungen hat und unterschiedliche Wege an dieser Kreuzung einschlagen wird.

Wer nicht weiß, was andere stört, kann sich nicht überlegen, ob er was ändert.
Damit zwingt jeder, der nicht Klartext mit seinem Gegenüber spricht, ihn zum Innehalten.
Das kann Minuten, Stunden oder Tage dauern, schlimmstenfalls aber auch Jahre. Und bitte was rechtfertigt es, jemanden so lange aufzuhalten?

Hallo!


Zwo, eins, Risiko!

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