BABÄM

Music was my first love… oder auch: The Kelly Family

Isabella Blume war die erste Bloggerin, mit der ich vor mehr als drei Jahren Kontakt bei Twitter hatte. Seitdem halten wir regelmäßige Gruppentherapien ab, um das Internet und ihre Bewohner zu verarbeiten. Es war also mehr als logisch, dass sie auch einen Beitrag zum 90er-Special beisteuert. Genau wie ich hat sie sich der Musik der 90er-Jahre verschrieben.

Es gibt nur wenige Kindheitserinnerungen, die sich so stark einprägen, dass sie auch fast Jahrzehnte später noch präsent sind, als wäre es gestern gewesen. Wir schreiben das Jahr 1994. Ich bin grade in die Schule gekommen, stehe in unserer Küche und höre Radio, bis es mich wie ein Blitz trifft. „… Sometimes I wish I were an angel, sometimes I wish I were you…“ Von diesem Zeitpunkt an war ich verliebt. Verliebt in die Familie, die in den 90ern die Gemüter erhitzte, meine Eltern in den Wahnsinn trieb und die Klasse spaltete: The Kelly Family.

Kurz drauf erhielt ich von meiner Mutter das Album „Over The Hump“ auf Kassette und dann gings los. Zu meinem Glück war das grade die Blütezeit der Familie, sodass sie fast überall im TV zu sehen waren und ich daher meinen „Stoff“ beziehen konnte. An das Thema Bravo war in dem Alter noch lange nicht zu denken. Aber zum Glück gab es da auch die Schule mit meinen Kelly-Freunden (und Feinden.)
„Wandelnde Altkleidersammlung“, „Lumpensammler“, „Zigeuner“ und und und… Die Palette an Kelly-Synonymen, mit denen die Fraktion der Backstreet Boys Fans in der Klasse uns immer wieder ärgern wollten, nahm kein Ende, aber hallo? Das waren Backstreet Boys Fans, die waren quasi nicht ernst zu nehmen.

Das Highlight meines Kelly-Fan Daseins fand 1996 statt. Die Kellys gingen auf große Stadion-Tour und machten Halt in Essen. Wer durfte hin? Ich natürlich. Stehplätze in irgendeiner Kurve, die Bühne war so groß, wie die Augsburger Puppenkiste und die Männchen darauf hatten was von Ameisen, aber es war großartig. Das ist vermutlich einer der Gründe, warum ich Live Musik jedem Studioalbum vorziehe und daher nicht viele Künstler höre, weil viele Live einfach grottig sind. Aber das ist ein anderes Thema.Eine meiner ersten oder lass es sogar die erste CD gewesen sein, die ich je bekommen habe, war das Street Life Album, welches auch heute noch zu einem meiner Lieblingsalben gehört.

Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt von 1992 und hatte eigentlich den Zweck, dass meine Eltern nicht mehr von morgens bis Abend mit dem Over The Hump Album beschallt wurden. Danach zogen immer und immer mehr CDs und Kassetten bei mir ein. Das Bravo-Verbot umging ich, indem ich immer nur die Kelly Sachen raus rupfte und den Rest im Müll verschwinden lies und die ehemals weißen Wände nach und nach mit Postern beklebte.
Es hat wirklich lange gedauert, bis ich die Namen der neun Geschwister ihren richtigen Gesichtern zuordnen konnte, aber ich war verliebt. Verliebt in diese eine Stimme, welche auch auf Over The Hump und vor allem auch auf Street Live immer wieder präsent war. (Ok, das Aussehen war auch toll und die Art und eigentlich und überhaupt einfach alles, aber eigentlich primär die Stimme): Paddy Kelly.


Auch jetzt noch verfolge ich ihn in den Medien und habe mich wirklich gefreut, als die Nachricht kam, dass er das Kloster, in das er sich für Jahre verschanzt hat, verlassen würde. Was für eine Gen-Verschwendung. Und die Tatsache, dass er vor einigen Monaten geheiratet hat und jetzt endlich glücklich wird, freut mich um so mehr nach den Horrorgeschichten, die er nach seinem Klosteraufenthalt bei Lanz und Co aus den 90ern zum Besten gab.

Wie ging die Ära Kelly für mich zu Ende? Ende der 90er und damit auch Beginn meiner Pubertät hatte sich das Thema Kelly Family fast schlagartig erledigt. Die Familie bröckelte sowieso ein bisschen auseinander und es war irgendwie „uncool“ sie gut zu finden. (Wie zu der Zeit irgendwie alles uncool war, außer Tattooketten und Schlaghosen.)
Jahre später kam es so, wie es kommen musste: Die letzten Hormone verschwanden, man war wieder in der Lage klar zu denken und auch die Kelly Family zog wieder in Herz, Kopf und dem neumodischen Ding ,iPod‘ ein.

Einmal Fan, immer Fan würde ich sagen und ich bin mir ganz sicher, dass ich zumindest Paddy Kelly irgendwann noch mal live sehen werde. Die erste Liebe vergisst man nämlich nicht.

Hallo!


Zwo, eins, Risiko!

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