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Lasst uns reden über… Leder: Arten, Qualitätsmerkmale, Pflege

Tierhäute und Pelz sind immer ein schwieriges Thema – entweder man liebt es oder man hasst es. Ich kaufe mittlerweile nur noch Schuhe und Taschen aus Leder und das aus Gründen. Im Gegensatz zu Pelz ist Leder ein Abfallprodukt und es müssen meist keine Tiere extra für die Produkte sterben. Zudem habe ich in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass billige Schuhe und Taschen aus Kunstleder extrem schnell kaputt gehen. Doch woran erkennt man hochwertiges Leder und wie pflegt man es richtig?


Leder ist nicht gleich Leder. Wie bei Stoffen unterscheidet man auch hier zwischen hochwertigen und minderwertigen Qualitäten, die sich nach dem Verwendungsgebiet und Endverbraucherpreis richten. Für die Herstellung von Leder kann jede tierische Haut verwendet werden, jedoch gilt: Je besser die Tierhaut, desto hochwertiger das Leder. Heutzutage stammen mehr als 95 Prozent der weltweit verarbeiteten Häute von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen und Schweinen, die ein Zwangsabfallprodukt der Lebensmittelindustrie sind. Die restlichen fünf Prozent machen exotische Leder aus Krokodil, Wild, Strauß oder Schlange aus.

Welche Lederarten gibt es?

Nappaleder: Nappaleder stammt meist vom Kalb oder Schaf und wird als Oberbegriff für weiches Glattleder aller Tierarten verwendet. Dank vielen unsichtbaren Schichten, die die Poren verschließen, ist es sehr umempfindlich gegenüber Schmutz und Nässe.

Veloursleder: Veloursleder ist ein Sammelbegriff für alle Lederarbeiten, die eine raue Oberfläche haben. Es ist sehr weich und kommt vor allem in der Schuhindustrie zum Einsatz. Meist werden jedoch minderwertige Lederarten verarbeitet, da in den weiteren Fertigungsprozessen die oberste Lederschicht abgestoßen oder abgeschliffen wird.

Nubukleder: Nubuk ist ein Sammelbegriff für feines Rauleder vom Kalb oder Rind. Es wird auf der Außenseite der Haut leicht angeschliffen und erhält dadurch einen samtartigen Look. Diese Lederart trifft man vor allem bei Sommerschuhen und Herrenschuhen an.

Wildleder: Wildleder wird oft fälschlicherweise mit Velours- oder Nubukleder gleichgesetzt. Echtes Wildleder wird ausschließlich aus den weichen Wildfellen von Hirsch, Elch, Reh oder Gämse gefertigt.

Glattleder: Glattleder ist die meistverbreitete Lederart in der Schuh- und Taschenindustrie. Es lässt sich besonders gut einfärben und kann von glatt über geprägt bis zu strukturiert mit verschiedenen Oberflächenstrukturen versehen werden.

Lackleder: Lackleder entsteht durch eine Oberflächenbehandlung mit Öllack, Foliensack oder Kaltlack. Die Eigenschaften des Leders bleiben beim Veredelungsprozess zwar erhalten, macht es jedoch anfälliger. Benutzt man nach dem Tragen nicht direkt einen Schuhspanner, bilden sich an stark belasteten Stellen unschöne Falten, die man nie wieder wegbekommt.

Natürlich gibt es noch viele weitere verschiedene Lederarten. Eine gelungene Übersicht findet ihr unter anderem bei planet-wissen.de. Dort erfahrt ihr euch wie Leder hergestellt wird.

Wie erkenne ich hochwertiges Leder?

Echtes und hochwertiges Leder erkennt man meist an seinem charakteristischen Geruch. Es hat einen weichen Griff, ohne seine Festigkeit zu verlieren. Seid ihr euch nicht sicher, ob die Qualität eurer neuen Schuhen oder Taschen hochwertig ist, gibt es einen einfachen Trick: Drückt mit einem Finger auf eine x-beliebige Stelle. Bilden sich um die Stelle unschöne Falten, handelt es sich um eine minderwertige Tierhaut. Bleibt die Delle einen kurzen Moment bestehen und bildet sich anschließend ohne Falten wieder zurück, wurde hochwertiges Leder verarbeitet.

Das minderwertige Leder in den oberen Fotos wirft beim Drucktest Falten. Das in der unteren Reihe behält seine Form.

Wie pflege ich Leder?

Die richtige Pflege ist entscheidend für die Haltbarkeit und das Aussehen der Lederschuhe und Taschen. Experten empfehlen zwar, bestimmte Lederarten nach jedem Tragen zu reinigen und zu pflegen, die Zeit und Lust dafür haben jedoch die wenigsten. Vor dem ersten Tragen sollten Schuhe und Taschen unbedingt mehrmals imprägniert werden. Das schützt sie nicht nur vor Regen, sondern macht sie auch unempfindlicher gegenüber Schmutz.

Wird Glattleder dreckig, kann man den Schmutz bei Glattleder meist mit einem fusselfreien und feuchten (nicht nassen!) Baumwolltuch wieder entfernen. Bei Rauleder reicht eine Bürste. Ich reinige meine Schuhe und Taschen meist einmal im Monat.

Nach den Tragen spanne ich meine Schuhe immer über einen Schuhspanner, damit sie nicht aus der Form kommen. Gerade bei günstigen Lederqualitäten entstehen schnell unschöne Falten im Bereich der Zehen, die man mit Schuhspannern teilweise umgehen kann. Taschen, die ich selten trage, bewahre ich in Stoffbeuteln im Schrank auf. Sie lassen das Leder atmen, vermeiden brüchige Stellen und Kratzer und verfärben keine anderen Textilien oder Taschen. Schuhcreme verwende ich übrigens nie.

Die wichtigsten Pflegeprodukte:

  • Glattleder Pflegemittel-Set und Rauleder Pflegeset von Collonil (je rund 20 Euro). Es ist je nach Farbe und Art des Leders in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich.
  • Collonil Nanopro – meiner Meinung nach das beste Imprägnierspray, das derzeit erhältlich ist (12,50 Euro). Das Wasser perlt ab, Schmutz kann nicht haften und die Atmungsaktivität des Leders wird nicht beeinträchtigt.
  • Wenn man oft Schuhe aus Rauleder trägt, empfiehlt sich eine Schuhputzbürste (rund 7 Euro). Die Spezialbürste reinigt schonend und raut die Faser gründlich auf.
  • Ein absolutes Muss ist ein Schmutzradierer (5 Euro). Er eignet sich vor allem für Glattleder und entfernt sanft oberflächliche Flecken. Mit dem Stick habe ich schon viele stark verschmutzte Taschen gereinigt.

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