BABÄM

Willkommen im Polyesterparadies: Das erste Mal bei Primark

Ich war lange standhaft. Sogar ziemlich lange. Primark eröffnete seinen ersten deutschen Store 2009 in Bremen. Knapp fünf Jahre später war ich dann auch endlich einmal in einer Filiale. Das liegt nicht etwa daran, dass ich Primark aufgrund der ganzen Produktions– oder Etikettenskandale bewusst gemieden habe – es gab einfach einen Store in meiner Nähe. Seit Dezember letzten Jahres betreiben die Iren eine Filiale in Düsseldorf und seit Mai dieses Jahres in Köln – und ich habe es endlich in Letztere geschafft.

Ich habe in den letzten Jahren die schrägsten Horrorgeschichten über Primarkgeschäfte gehört – von miefenden Filialen, in denen man bereits nach wenigen Minuten Kopfschmerzen bekommt, bis zu unaufgeräumten Stores, in denen die Klamotten auf dem Boden geschmissen werden. Kopfschmerzen habe ich dank Klimaanlage nicht bekommen und auch die Filiale war tip top aufgeräumt.

Dafür war der Besuch die reinste Reizüberflutung wie ich sie bisher in noch keinem anderen Laden erlebt habe. Unmengen Klamotten, die von Weitem gar nicht so schlecht aussahen, billige Preise und funkelnde Accessoires – das reinste Shoppingparadies. Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen und nur mal gucken – „den Hype testen“ – aber wie sollte es anders kommen: Ein Teil nach dem Anderen landete in den großen Trolley, der bereits nach 15 Minuten überquilte. Ich war auf der Suche nach einem Übergangsjacke und fand einige tolle Mäntel, hinzu kamen Blusen, Hosen, Taschen, Tücher, Schals und Schmuck. Als ich zwei Etagen durchkämmt hatte, ging es endlich in die Umkleide. Die Mäntel und Jacken sahen an mir wie Säcke aus, die Hosen passten hinten und vorne nicht, einzig zwei oversized geschnitte Blusen mit Leo– und Blumenprint durften mit.

Bevor ich Kleidungsstücke anziehe, müssen sie meinen Anfass-Test bestehen. Heißt: Wenn mich das Material bei der ersten Berührung nicht überzeugt, bleibt es hängen. Am Ende des Shoppingbesuchs bei Primark hatte ich das dringende Bedürfnis meine Hände mehrmals zu desinfizieren. Ich hatte einen undefinierbaren Film auf den Fingern, der wahrscheinlich von den ganzen Farb- und sonstigen (hoffentlich ungiftigen) Zusatzstoffen kam. Die Qualität der Teile reichte von grottenschlecht bis annehmbar, teilweise konnte ich sogar Teile aus 100 Prozent Baumwolle sichten. Der größte Teil war jedoch erwartungsgemäß aus Polyester und Acryl gefertigt. Aber was will von Blusen für 12 Euro, Mäntel für 30 Euro oder Pullover für 20 Euro erwarten?

Soweit ich die Qualität der Polyester-Blusen beurteilen kann, ist sie auch nicht besser als vergleichbare von H&M, Forever21 oder Zara. Bei anderen Teilen fielen mir hingegen schräge Nähte und abstehendene Fäden auf. Um aktuelle Trends zu testen, reichen die billigen Teile sicherlich aus. Komplett einkleiden würde ich mich mit Primark allerdings nicht.

Hallo!


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