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Clickbaiting: Das Nervigste, was das Netz zu bieten hat

Ich bin genervt – von Clickbaits. Noch nie gehört? Ich wette, dass jeder von euch schon auf die reißerischen Klickköder reingefallen ist und sich danach über die lahmen Inhalte der Artikel geärgert hat.

Was ich anfangs noch als Trend abgestempelt habe, entwickelt sich zu einem ernsthaften und vor allem nervigen Problem im Netz. Doch was ist eigentlich Clickbaiting?

“Mit Clickbaiting bzw. Klickköder wird medienkritisch ein Prozess bezeichnet, Inhalte im World Wide Web mit einem Clickbait (deutsch etwa „Klickköder“) anzupreisen. Clickbaits dienen dem Zweck, höhere Zugriffszahlen und damit unter anderem mehr Werbeeinnahmen durch Internetwerbung oder eine größere Markenbekanntheit der Zielseite, bzw. des Autors zu erzielen.

Ein Clickbait besteht in der Regel aus einer reißerischen Überschrift, die eine sogenannte Neugierlücke (englisch curiosity gap) lässt. Sie teilt dem Leser gerade genügend Informationen mit, um ihn neugierig zu machen, aber nicht ausreichend, um diese Neugier auch zu befriedigen, ähnlich einem Cliffhanger. Die Überschrift kann durch grafische Elemente mit gleicher Funktion ergänzt oder ersetzt werden.

Die hinter einem Clickbait liegenden Artikel sind üblicherweise gut mit Einrichtungen zum schnellen Teilen in sozialen Netzwerken ausgestattet, was die Zugriffszahlen ebenso erhöht.” (Quelle: wikipedia)

Als Vorreiter der Clickbaits gelten laut wikipedia Buzzfeed und Huffington Post. Wahrgenommen habe ich die Klickköder zum ersten Mal bei Harper’s Bazaar US vor mehr als einem Jahr. „10 gorgeous places you need to escape to now“, „Taylor Swift just made a HUDGE announcement“, „13 of the chicest pregnant model moments“ sind einige reißerische Sätze, mit denen das Magazin seine Artikel und Bildergalerien anteasert.

Clickbaits sind meist immer gleich aufgebaut: Man nehme ein aktuelles Thema (ist gut für Google), eine beliebige Zahl und mindestens ein Wort in Versalien, um die Wichtigkeit des verlinkten Artikels zu verdeutlichen. Je höher die Zahl bei Bildergalerien sind, desto mehr Clicks werden erzielt. Je geringer die Zahl bei Artikeln, desto interessanter wird der Text für Leser. Es will ja schließlich niemand heutzutage mehr einen ellenlangen Roman lesen. Also einigt man sich maximal 5 bis 10 Fakten für den eigentlichen Artikel, die der Redakteur in einer zehnminütigen Google-Recherche zusammengetragen hat, und versieht sie mit einer überzeichneten Headline.

Meine Timeline bei Facebook ist mittlerweile voll von Clickbaits – und es nervt. „Den Fehler Nummer 8 machen wir alle, WETTEN?“, „Wenn du diese 10 Dinge zu deinem Freund sagst, verlässt er dich sofort“ oder der Klassiker „10 Superfoods, mit denen du SCHNELLER abnimmst“. Auch sehr beliebt: „Dieser Promi hat gerade einen Affen überfahren“ und das Teaserfoto bei Facebook so zuschneiden, dass man den Promi natürlich nicht sieht. Der Leser MUSS also klicken, um seine Neugier zu befriedigen.

Willkommen in unserer klickgeilen Welt. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass Onlinemagazine ihr Geld mit Visits, die Clickbaits deutlich steigern, verdienen. Es gibt allerdings mittlerweile Seiten, die ihr komplettes Redaktionskonzept auf Clickbaits aufbauen, was ich sehr traurig finde. Ich habe nichts dagegen, wenn Buzzfeed 25 süße Welpenfotos oder 32 Kinderspielzeuge aus den 90ern zusammenfasst und diese dementsprechend anteasert, weil auf dieser Seite kein journalistischer Anspruch vorhanden ist. Aber auf Seiten, die sich selbst als qualitativ hochwertiges Magazin verkaufen, ist das nervige Betteln um Klicks einfach nur peinlich. Vor allem, wenn sich die hoch angepriesenen Artikel als Zeitverschwendung für den Leser herausstellen und eigentlich nur der Google Relevanzsteigerung dienen.

Etwas Positives kann ich dem Clickbaiting jedoch abgewinnen: Es gibt Magazine und Blogger, die ihrer Ausrichtung und ihrem guten Content weiterhin treu bleiben, und die, die dem Trend hinterher rennen und um jeden Klick betteln. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Deshalb möchte ich diesen Artikel mit diesem treffenden Zitat beenden:

Das Erstellen einer attraktiven Überschrift kann man schnell lernen, aber guten Content dahinter zu schaffen, dafür braucht man einen guten Journalisten. Quelle: WELT

 

2 Responses

  1. Huhu,
    da kann ich dir nur zustimmen. Zum ersten Mal so richtig negativ aufgefallen ist mir zum Thema die Bild, die auf Twitter irgendeinen Schwachsinn teasert, „Ratebilder“ postet usw. Wie sehr das Netz davon bestimmt wird, habe ich aber erst in diesem Frühjahr/ Sommer bemerkt, als von immer mehr Bloggern denen ich folge reißerische Überschriften bei Twitter/ Bloglovin’/ Insta auftauchten. Wenn ich dann aber den Post laß, von dem ich mir anhand der Überschrift einen Mehrwert versprach, fand ich nur einige Sätze zum Thema vor.
    Sehr schade und bei mir führt das momentan eher zum Gegenteil. Links von Seiten die mir negativ durch Clickbaiting aufgefallen sind, rufe ich gar nicht mehr auf. Ich werde wahrscheinlich ja eh nur enttäuscht.
    Schönen Gruß,
    Carina

  2. Oh ja, danke für diesen Beitrag! Mich nervt das schon richtig lange. Zum Einen findet man auf Blogs immer mehr Beiträge wie „10 Tipps für mehr Follower“ „8 Fehler die du bei Insta nicht machen solltest…“ zum Anderen betreiben vor allem auf Facebook viele Magazine dieses nervige Clickbaiting und ich bin jedes Mal frustriert, wenn ich doch wieder drauf geklickt habe. Den Content dazu kann man wirklich zu 80% vergessen. Leider zeigt das aber auch, wie wichtig die Klickzahlen eben sind und das guter Content scheinbar nur zweitrangig ist. Traurige Entwicklung!
    Liebe Grüße,
    Julie

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