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So gelingt der Start in die Selbstständigkeit als freier Journalist

Selbstständig hat man sich als Journalist schnell gemacht. Man stellt einen Antrag beim Finanzamt auf Selbstständigkeit und kann quasi sofort loslegen. Es gibt – neben der Suche nach Auftraggebern – jedoch noch einiges vor dem Start zu regeln, wie einen passenden Rechtschutz suchen oder für schlechte Zeiten genug zu sparen.

Gespartes

Wer sich selbstständig macht, braucht unbedingt ein Polster, auf das man zurückgreifen kann, wenn es schlecht oder gar nicht läuft. Ich habe mich damals direkt nach dem Studium ohne Gespartes selbstständig gemacht, wovon ich jedem nur abraten kann. Gerade in der Anfangszeit sind die Honorare extrem gering, hinzu kommen zu spät oder gar nicht bezahlte Rechnungen. Ein Polster, mit dem man ein halbes Jahr ohne große Probleme über die Runden kommt, sollte man deshalb mindestens haben. Und sobald es gut läuft, ist Sparen angesagt: Man kann als Selbstständiger nie genug Rücklagen haben. So steht man nicht unter Druck, ständig arbeiten zu müssen und kann auch einmal Aufträge, auf die man keinen Bock hat, ablehnen. Gleiches gilt für Urlaub und Krankheit: „Urlaub“ und „Krankheit“ bedeutet als Freelancer zwar arbeitsfreie, vor allem aber honorarfreie Zeit. Die muss man sich auch erst einmal leisten können.

Steuerberater

Steuern sind ätzend, deshalb habe ich mir von Anfang an eine Steuerberaterin gesucht, die das alles für mich übernommen hat. Wer wie ich noch nicht einmal in der Lage ist, die eingenommene Umsatzsteuer der ausgegeben gegenüberzustellen und das Ergebnis online zu übermitteln, wird vom Finanzamt aufgefressen. Außerdem gibt es so viele Steuertricks, die man als Normalo nicht kennt, ein Steuerberater hingegen schon. Zum Beispiel darf man als freier Journalist den verminderten Steuersatz von sieben Prozent berechnen.

Was man als Freelancer auf jeden Fall braucht, ist eine Vorliebe für Buchhaltung. Das deutsche Recht schreibt vor, dass Rechnungen, Quittungen und Kontoauszüge zehn Jahre für eventuelle Steuerprüfungen aufbewahrt werden müssen. Man braucht also einen guten Drucker und viele, viele Ordner.

Künstlersozialkasse

Als freiberuflicher Journalist kommt man zusammen mit anderen künstlerischen Berufen in den Genuss der Künstlersozialkasse. Bei der KSK funktionieren die klassischen Sozialabgaben wie im Angestelltenverhältnis: Man zahlt in die Pflege-, Kranken- und gesetzliche Rentenkasse ein – nur, dass die KSK den Arbeitgeberanteil übernimmt. Die monatliche Beitragshöhe richtet sich nach dem jährlichen Gewinn, den man zum Anfang des Jahres angeben muss. Ändern sich die Einnahmen, kann man den Betrag ohne Probleme jederzeit nach oben oder unten korrigieren.

Rechtschutz

Wie stressfrei die Arbeit doch wäre, wenn alle Kunden ihre Rechnungen pünktlich und vollständig bezahlen würden. Stress mit einem Auftraggeber in meiner Anfangszeit, der seine Rechnungen nicht bezahlt hat, hat mich zu verdi gebracht. Über die Gewerkschaft bin ich für alle Eventualitäten abgesichert, weil sie nämlich nicht nur die Interessen fest angestellter Journalisten vertritt, sondern auch freier. Wenn jemand seine Rechnung nicht bezahlt, übernimmt verdi für mich die Klage. Darüber hinaus gibt die Gewerkschaft Tipps bei den Honoraren, man kann kostenlos einen Presseausweis beantragen und wird über Entwicklungen in der Branche auf dem Laufenden gehalten. Der monatliche Mitgliedsbeitrag ist also mehr als sinnvoll investiert.
Eine weitere sinnvolle Alternative ist eine Mitgliedschaft beim Deutschen Journalistenverband, der ebenfalls einen Rechtschutz bietet.

Das richte Equipment

Als bei mir die Aufträge nach einem Jahr besser liefen, habe ich mir als Erstes einen iMac und eine Spiegelreflexkamera gekauft. Beides war damals ein großer Batzen Geld für mich, aber rückblickend jeden Cent wert. Mit dem iMac arbeite ich heute noch (und das nach 5 Jahren) und die Kamera funktioniert auch noch einwandfrei. Apropos Investitionen: Die hat man als Freelancer ständig. Ich plane im Moment jedes Quartal einen festen Betrag für größere Anschaffung ein wie Rechner, Smartphone, Drucker, Kamera, Büroeinrichtung oder Software. Gewisse Ausgaben muss man als Selbstständiger übrigens auch haben: Es wäre doch viel zu schade, dem Finanzamt mit der jährlichen Steuererklärung zu viel Geld zu schenken. 😉

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