BABÄM

Wie ich zum Schreiben gekommen bin

Den Deutschunterricht fand ich in der Schule furchtbar. Ich war eine mittelmäßige, wenn ich nicht sogar schlechte Schülerin. Meine Durchschnittsnote: 4. Das lag nicht etwa daran, dass ich die Rechtschreibung oder Grammatik nicht beherrschte, sondern vielmehr an den Themen, die mich null interessierten. Kurzgeschichten, Gedichtsanalysen, Parabeln – laaaaaangweilig.

Hausarbeit in der 12. Klasse

Mein Interesse an Deutsch wurde erst geweckt, als ich in der 12. Klasse eine Hausarbeit schreiben musste. Ich konnte mich nie für das Fach begeistern, doch meine Lehrerin hat mir damals etwas geboten, das mir kein anderer bieten konnte: freie Themenwahl. „Ihr könnt über alles schreiben, was ihr wollt: Gedichte, Analysen, aber auch aktuelle Themen wie Werbung…“ – bäm! Zwei Tage später stand mein Thema fest: „Testimonials in der Werbung am Fallbeispiel Oliver Pocher für Media Markt.“ Richtig geiler Scheiß damals! Also habe ich 12 Seiten über Testimonials, Werbung, Oliver Pocher und Media Markt geschrieben. Und ich habe es geliebt. Sich ein Konzept für einen Text ausdenken und recherchieren war voll mein Ding. Belohnt wurde ich mit einer 2+, die beste Note, die ich je in Deutsch bekommen habe. Die Note war für mich allerdings nebensächlich – meine Lust am Schreiben war geweckt.

Wirklich realisiert habe ich das damals noch nicht. Ich wollte was mit Mode machen. Und das stand für mich schon als Kind fest. Schreiben kann ich ja immer noch irgendwann mal ausprobieren. Also habe ich für die Ausbildung zur Modedesignerin entschieden.

Ausbildung zur Modedesignerin

Auf der Modeschule lernt man nicht nur, wie man Mode malt, entwirft oder schneidert, sondern auch elementare Dinge wie Politik, BWL und Deutsch. Letzteres war allerdings mehr als eine Enttäuschung. Wieder Gedichte, Kurzgeschichten und Parabeln – gibt es denn keine anderen Themen, die man als Deutschlehrer unterrichten kann?!

Mein Durst nach kreativem Schreiben musste gestillt werden, also habe ich einen Modeblog gestartet. Den habe ich allerdings nach einem Jahr wieder eingestampft, weil ich keine Perspektive für die Seite sah. Modeblogs? Dafür interessiert sich doch kein Schwein. So war das noch im Jahr 2008. Weil der Durst immer stärker wurde, habe ich direkt nach meinem Abschluss ein Praktikum in einer Moderedaktion gemacht.

Rückblickend waren meine ersten Texte eine mittlere Katastrophe. Dafür besaß ich so viel Modewissen, dass ich fast geplatzt wäre. Ich konnte es nur nicht an den Leser bringen. Während meines Praktikums wurde jeder Absatz, jedes Wort, jedes Satzzeichen auseinandergenommen. Ich lernte, was es heißt, einen guten Artikel zu schreiben, auf welche Feinheiten es ankommt und dass Rechtschreibung alles ist.

Als die drei Monate vorbei waren, kam nichts anderes als Schreiben für mich infrage. Die Jobaussichten als Modedesigner waren eh schlecht, es gab nur unbezahlte Praktika und mich graute es davor, etwas zu entwerfen oder gar zu nähen. Also habe ich mich gezwungenermaßen selbstständig gemacht. Ohne Rücklagen, ohne Ahnung von Steuerrecht oder angemessenen Honoraren. Bereut habe ich den Schritt nie, meine Naivität damals schon.

Seitdem sind viele Jahre vergangen und ich habe viel dazugelernt, was Professionalität, Honorare, Verhandlungsgeschick und gute Auftraggeber angeht. War ich am Anfang noch naiv und habe noch für schlappe 50 Euro einen Artikel geschrieben, weiß ich mittlerweile, was ich wert bin – und stehe auch dazu. Der Markt mit freien Redakteuren und Textern ist hart umkämpft und täglich tauchen neue Schreiber auf, die noch schneller und noch billiger ihre Dienstleistungen anbieten. Da mitzuhalten ist als klassische Redakteurin nicht gerade einfach. Aber ich weiß, dass sich Qualität auf Dauer auszahlt. Deshalb ist mein Tipp an alle, die sich selbstständig machen wollen: Bleibt niemals auf der Stelle stehen, entwickelt euch weiter und steht zu eurem Talent!

One Reponse

  1. Oh, ich freue mich sehr, dass wieder etwas von dir kommt! Auf deine Reihe bin ich sehr gespannt, da vieles für mich bald in Frage kommen wird. 🙂

    Und Deutsch, puuuuh. Mochte ich in der Schule auch nicht, genauso wenig wie die dazugehörige Lehrerin. Ich hatte stets denn Kommentar „Nicht so viel Kreativität, bitte“ auf meinen Aufsätzen stehen. Danke, für nichts.

    Fühl dich gedrückt!
    Ally

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