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Bin ich ein Markenopfer?

Letztens führte ich eine Diskussion mit meinem Freund über mein Kaufverhalten. „Du bist so ein Markenopfer. Das Hay Regal und die ganzen Designerjacken… ich verstehe gar nicht, warum du so viel Geld dafür ausgibst.“ Also habe ich mein Kaufverhalten reflektiert. Bin ich wirklich ein Markenopfer?

Auslöser der Diskussion war ein Regal von Hay, dass ich mir vor einigen Monaten für mein Arbeitszimmer gekauft hatte. Ich war die immer gleichen Billyregale satt und wollte etwas Schönes und Außergewöhnliches, das nicht jeder hat. Meine Wahl fiel sehr schnell auf das Regal, das mit 550 Euro zugegeben nicht ganz billig war. Ich war aber verliebt und bestellte es. Dass man für das Geld wahrscheinlich eine ganze Billylandschaft hätte kaufen können, war mir egal. Einige Tage später kam das Regal an und ich war hin und weg. Es sah noch besser als auf den Fotos aus und passte perfekt in den Raum.

Als mein Freund an dem Tag nach Hause kam, nahm er das Regal mit einem kritischen Blick zur Kenntnis. Sein Kommentar: „Das hätte ich dir für 100 Euro nachbauen können. Das bisschen Holz und die Platten… da haste dich ja ganz schön über den Tisch ziehen lassen.“ Er meinte es zwar spaßig, aber so etwas möchte man in diesem Moment trotzdem nicht hören.

Über das Regal haben wir seitdem nicht mehr gesprochen. Mein Arbeitszimmer, mein Geld, Diskussion beendet. Das Thema „Markenopfer“ kam erst wieder auf, als ich bei einem Lagerverkauf eines großen Designer-Möbelladens war und meinem Freund berichtete, was es dort alles gab und wie „günstig“ die Dinge waren. „Die (solventen Kunden) kaufen den Designerkram doch nur, weil er teuer ist“, sagte er. „Vielleicht kaufen sie ihn auch, weil sie schön sind und weil die Qualität stimmt?“ „So ein Quatsch. Wer gibt denn freiwillig so viel Geld für die Sachen aus? Das sind alles Markenopfer so wie du.“

Ich habe lange über das nachgedacht, was mein Freund gesagt hat. Und mich gefragt, ob ich wirklich ein Markenopfer bin. Was Interior angeht, definitiv nicht. Bis auf das Regal und anderem Kleinkram von Hay besteht die Wohnung zu 90 Prozent aus Ikea. Ähnlich sieht es im Kleiderschrank aus. Die meisten Pullover stammen von COS, die Blusen von &other stories, die Basics von H&M und die Taschen von Liebeskind und Zara. Einzige Ausnahmen sind meine Jacken von Burberry.

Für mich gibt bei Design, Verarbeitung und Qualität es keine perfekteren Outdoorkleidungsstücke als die von Burberry. Vor vier Jahren habe ich mir im Outlet in Roermond mit einem khakifarbenen Seidenparka für 200 Euro mein erstes Burberry-Teil gekauft. Und ich trage ihn immer noch mit großer Freude. Regen, Dornen oder Grillfett können der Jacke nichts anhaben. Ich habe sie schon öfter in der Waschmaschine gewaschen und sie sieht anschließend immer wieder wie neu aus. Die Qualität stimmt also für den Preis. Und weil ich von der Qualität so überzeugt war, folgten über die Jacke ein Daunenmantel, ein Trenchcoat und eine Wolljacke.

Damit wäre die Frage in der Headline auch geklärt: Ich bin ein Teilzeit-Markenopfer. Für ein „richtiges“ Markenopfer fehlt mir nicht nur das nötige Kleingeld, sondern auch der Wille, kontinuierlich viel Geld für Markenprodukte auszugeben. Ich weiß, was ich für mein Geld bei Liebeskind, Burberry oder Hay bekomme und greife dafür gerne ab und zu tiefer in die Tasche. Denn wenn man heutzutage ein qualitativ hochwertiges Produkt – egal ob Mode oder Interior – haben möchte, muss man investieren.

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