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FAQ: Wenn Rechnungen nicht bezahlt werden

In den letzten Monaten musste ich leider wieder eine unfreiwillige Pause vom Bloggen einlegen. Ich war nicht in der Lage einen auf happy writing zu machen, wenn genau das Gegenteil der Fall war. Der Grund: Ein Projekt hat mich finanziell (und auch persönlich) „auf Trab gehalten“.

Ich könnte wahrscheinlich ein Buch über die Erlebnisse des letzten Jahres schreiben. Da das leider den Rahmen sprengen würde, möchte ich nur kurz anreißen, was passiert ist. Ich habe mich extrem stark in ein Projekt eingebracht, die Rechnungen wurden nicht bezahlt und das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Ich hatte in den letzten Monaten nicht nur mit dem finanziellen Ausfall zu kämpfen, sondern auch mit massiven persönlichen Enttäuschungen.

Mittlerweile bin ich über all das hinweg. Den finanziellen Ausfall konnte ich dank Erspartem gut auffangen und über die persönlichen Enttäuschungen schüttel ich mittlerweile nur noch den Kopf. Ich habe in den letzten Monaten viel gelernt, vor allem wie man sich als Freelancer in Situationen verhält, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden. Aus diesem Grund melde ich mich mit einem kleinen FAQ zurück, mit dem ich allen Freiberuflern helfen möchte, die ähnliche Probleme haben.

Meine letzte Rechnung wurde immer noch nicht bezahlt. Was mache ich?

Nachfragen. Gegen eine freundliche Frage, ob die letzte Rechnung schon bezahlt wurde, hat sicherlich kein Auftraggeber etwas. In stressigen Zeiten gehen Rechnungen gerne einmal unter, deshalb schadet es nicht, einen kurzen Reminder zu schicken.

Erkundigt euch am besten vor dem Auftrag, ob das Unternehmen Zahlungsfristen hat. Manche Unternehmen überweisen innerhalb von sieben Tagen und andere erst am 15. des Folgemonats. So wisst ihr Bescheid und könnt die Zeiten eurer Zahlungseingänge besser planen. Meine Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Rechnungen von großen Unternehmen und Verlagen generell relativ spät bezahlt werden.

Der Auftraggeber sagt ständig, er habe die Rechnung überwiesen, aber bei mir ist kein Geld verbucht wurden. Woran liegt das?

Tippfehler in den langen IBANs kommen schon einmal vor, deshalb solltet ihr darauf bestehen, dass der Auftraggeber seine Überweisung kontrolliert. Stimmen die Daten, hat er euch wahrscheinlich angelogen und das Geld wurde nicht überwiesen. Eine Überweisung dauert mittlerweile nur noch einen Tag und geht ganz bestimmt nicht verloren – auch wenn mir das in der Vergangenheit schon Einige weismachen wollten. Womit wir bei der nächsten Frage wären.

Wann verschicke ich eine Mahnung?

Rein rechtlich kannst du eine Mahnung verschicken, sobald die von dir gesetzte Zahlungsfrist verstrichen ist. Unternehmen, die auf deine Zahlungsfrist pfeifen, halten sich allerdings meist auch nicht an die Frist in der Mahnung. Ich habe in meinem beruflichen Leben schon die eine oder andere Mahnung geschickt und nie wieder einen Cent von diesen Aufträgen gesehen. Mittlerweile verschicke ich gar keine Mahnungen mehr, sondern übergebe das an meine Rechtsschutzversicherung. Ich kann jedem Freelancer deshalb nur wärmstens empfehlen, sich auch eine zuzulegen. Idiotische Auftraggeber, die keine Rechnungen bezahlen, gibt es immer wieder.

Ich habe andere Freelancer empfohlen, deren Rechnungen auch nicht bezahlt wurden. Wie verhalte ich mich in so einem Fall?

Ab und zu empfiehlt man andere Freelancer, wenn Bedarf da ist und sie ins Team passen. Ich habe beim besagten Projekt drei gute Freiberufler empfohlen, die wie ich alle nicht bezahlt wurden. Da mir alle sehr am Herz lagen (sonst hätte ich sie kaum vorgeschlagen), habe ich auch für sie nachgefragt, warum die Rechnungen noch nicht bezahlt wurden.

Ihr müsst aber selbst entscheiden, inwieweit ihr euch in Probleme anderer Freelancer involvieren lassen möchtet. Im Normalfall halte ich mich aus solchen Dingen nämlich raus.

Wo bekomme ich rechtliche Unterstützung?

Jeder Freelancer braucht meiner Meinung nach eine Rechtsschutzversicherung. Natürlich kann man sich das Geld auch sparen, aber spätestens, wenn man auf einen Auftraggeber trifft, der nicht bezahlt – und man selbst einen Anwalt beauftragen muss – wird es teuer. Einen Rechtsschutzvertrag sollte man besten vor den Schritt in die Selbstständigkeit abschließen. Für freie Journalisten eignen sich etwa eine Mitgliedschaft im DJV oder bei verdi (kann ich nur wärmstens empfehlen). Große Versicherungen bieten ebenfalls spezielle Tarife für freischaffende Journalisten an.

Falls du keine Rechtsschutzversicherung hast/willst und keinen Anwalt beauftragen kannst/willst, ist noch das gerichtliche Mahnverfahren eine Möglichkeit. Wie das funktioniert, erfährst du bei Wikipedia. Leider zwingt dieses Verfahren den Schuldner nicht dazu, das Geld auch wirklich zu überweisen. Wenn er also nicht bezahlt, bleibt nur noch eine Klage übrig.

Der Auftraggeber überweist einen verminderten Rechnungsbetrag, weil er meint, dass meine Leistung nicht entsprechend war. Was soll ich tun?

Wer eine Leistung in Auftrag gibt und diese ohne Beanstandungen annimmt, muss er dafür auch zahlen. Ich kann mich noch an ein unseriöses Unternehmen aus meiner Anfangszeit erinnern, das einfach so, ohne mich darüber zu informieren, nur den halben Rechnungsbetrag überwiesen hat. Da ich damals keinen Rechtsschutz hatte, blieb ich auf den Kosten sitzen. Heutzutage würde ich die Zusammenarbeit sofort beenden und klagen.

Was mache ich, wenn ein Auftraggeber Insolvenz anmeldet?

Die Hoffnung aufgeben, dass du jemals wieder etwas von deinem Geld siehst. Wenn die Insolvenzmasse groß genug ist, siehst du vielleicht noch den einen oder anderen Euro in ein paar Jahren, aber der ursprüngliche Rechnungsbetrag ist für immer futsch.

Mein Tipp: Wenn du mitbekommst, dass Rechnungen anderer Freelancer und Dienstleister oder sogar die Gehälter der Festangestellten über einen langen Zeitraum extrem spät oder gar nicht bezahlt wurden, beende die Zusammenarbeit. Die Insolvenz ist dann meist nicht weit entfernt.

Wie finde ich heraus, ob ein neuer Auftraggeber zuverlässig seine Rechnungen bezahlt?

Gar nicht. Wie sagt meine Mutter immer so schön: „Du kannst dem Menschen nur vor den Kopf schauen und leider nicht dahinter.“ Wenn möglich, triff dich vor Start des Projekts mit deinem neuen Auftraggeber. So bekommst du einen besseren Eindruck und entwickelst ein Gefühl dafür, wie der Mensch tickt. Wie ich oben schon geschrieben habe, solltest du – gerade bei großen Unternehmen und Verlagen – immer nach den hauseigenen Zahlungsfristen fragen.

Es schadet sicherlich auch nicht, das Unternehmen sorgfältig zu googlen und Bewertungen bei Google oder Facebook zu suchen. Wenn du Glück hast, findest du den Auftraggeber bei „Was Journalisten verdienen“ vom Verein Freischreiber. Die Seite gibt einen guten Überblick darüber, wie zuverlässig Verlage sind, wieviel und wann sie zahlen.

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